Artists Statement
Juan Bermudez
Stipendium Bildende Kunst: 1.4. bis 30.6.2025
Was hat dich dazu bewogen, dich um das Stipendium von otte1 zu bewerben?
Ich habe mich damit beschäftigt, wie die Wahrnehmung von Zeit durch geografische und kulturelle Faktoren beeinflusst wird, und war daran interessiert, andere Rhythmen des Alltagslebens kennenzulernen. In Eckernförde habe ich einen Ort gefunden, an den viele Menschen flüchten, um dem Tempo der Großstädte zu entkommen. Ich wollte beobachten, wie sich diese Wahrnehmung von Zeit auf meine künstlerische Praxis auswirken würde. Aufgrund meiner früheren Erfahrungen in Nordeuropa hat mich diese Region als Übergangsort zwischen Mitteleuropa und dem baltisch-skandinavischen Norden besonders angezogen.
Was hast du im Rahmen deines Aufenthalts erarbeitet?
Während meiner Residenz habe ich an einem Projekt gearbeitet, bei dem es um Klanginterventionen in Wartebereichen wie Bushaltestellen ging. Daraus entstand eine Videoarbeit, die untersucht, wie Klang Risse in der Architektur sogenannter „Nicht-Orte” öffnen kann. Diese Räume ziehen mich aufgrund ihres funktionalen Charakters und ihrer offensichtlichen Neutralität an. Ich habe auch neue Projekte begonnen, darunter Unterwasseraufnahmen von Frachtschiffmotoren und Radarsignalen im Nord-Ostsee-Kanal mit einem Hydrofon. Schließlich habe ich eine Fotoserie begonnen, die von meinen Spaziergängen am Strand inspiriert ist und über das Konzept der Nation als flüchtiges und künstliches Konstrukt reflektiert. Diese Serie wurde durch den nahe gelegenen Militärstützpunkt und die aktuellen politischen Spannungen geprägt.
Was hat dich im Künstlerhaus in Eckernförde inspiriert?
Ich war inspiriert von dem starken Gemeinschaftsgefühl bei den Samstagsversammlungen und innerhalb des Otte 1-Teams, das mich daran erinnerte, wie wichtig das Lokale ist und wie wertvoll es ist, Verbindungen zwischen lokalen Gemeinschaften und externen Akteuren aufzubauen. Außerdem habe ich eine neue Art entdeckt, mit dem Meer und dem Strand in Beziehung zu treten. Das kältere Klima hat meine Vorstellung vom Meer, die durch meinen südamerikanischen Hintergrund geprägt ist, herausgefordert.
Was nimmst du aus Eckernförde für deine weitere künstlerische Entwicklung mit?
Ich nehme die langen Spaziergänge und die Zeit mit, die ich hatte, um über meine Ideen nachzudenken. Außerdem die Verbindung zur Umgebung als Möglichkeit, meine künstlerische Praxis weiterzuentwickeln. Das Künstlerhaus hat mir geholfen, dieses Bewusstsein zu stärken.
Was möchtest du hinzufügen?
Ich möchte dem gesamten Team von Otte 1 dafür danken, dass es immer für unsere Fragen und Probleme zur Verfügung stand. Außerdem möchte ich Norbert dafür danken, dass er uns neue Erfahrungen ermöglicht hat. Es hat mir Spaß gemacht, Dinge zu entdecken, von denen ich nicht wusste, dass sie mir gefallen, wie zum Beispiel Bogenschießen.