Artists Statement

Soufian Chemcham

Stipendium Bildende Kunst 1.7. – 30.9.2025

Was hat dich dazu bewogen, dich um das Stipendium von otte1 zu bewerben?

Ich habe zum ersten Mal durch meinen Freund und Kollegen, den Künstler Fethi Sahraoui, von dem otte1-Stipendium erfahren. Für mich ist es wichtig, alle paar Jahre an einer Künstlerresidenz teilnehmen zu können: So kann ich Abstand gewinnen und meine bisherigen Arbeiten reflektieren, mich auf laufende Projekte konzentrieren und in einer Atmosphäre mit weniger Ablenkungen nach neuen Ideen forschen. Das ist einer der Hauptgründe, warum ich mich beworben habe. Eine weitere starke Motivation war der ausgezeichnete Ruf des Stipendiums, der durch Fethis Erfahrungen bestätigt wurde.

Was hast du im Rahmen deines Aufenthalts erarbeitet?

Während meines Aufenthalts habe ich an zwei Projekten gearbeitet. Das erste ist ein laufendes Projekt mit dem Titel Echo, das sich mit der Rap-Szene in Algerien befasst. Endlich hatte ich Zeit, mich mit allem, was ich in den letzten zwei Jahren sporadisch gedreht hatte, auseinanderzusetzen, das Material zu bearbeiten, zu überprüfen und die nächsten Schritte und die Richtung der Arbeit zu planen. Echo begleitet eine Gruppe von Rappern, die trotz vieler Hindernisse weiterhin ihrem Handwerk nachgehen: eine fast nicht vorhandene Infrastruktur der Branche, wenig Unterstützung durch Streaming-Plattformen, geringe Werbeeinnahmen und ein Markt, der von globalen Marken oft übersehen wird. In diesem Umfeld ist es extrem schwierig, Musik zu produzieren, doch sie entscheiden sich dafür, durchzuhalten. Viele von ihnen verwandeln ihre Schlafzimmer in den Wohnungen ihrer Eltern in provisorische Studios, finanzieren ihre Projekte selbst und nutzen die Straßen ihrer Nachbarschaft als Kulisse für ihre Musikvideos.
Neben Echo begann ich auch mit der Entwicklung eines neuen Projekts, das sich mit der Dynamik von Großfamilien, dem Zusammenleben der Eltern und den Erfahrungen von Jugendlichen in diesem Umfeld befasst.

Was hat dich im Künstlerhaus in Eckernförde inspiriert?

Im Künstlerhaus in Eckernförde hat mich vor allem das Gefühl der persönlichen Freiheit inspiriert, das ich dort erlebt habe. Mein Atelier war zufällig etwas größer als einige der anderen, und ich sah dies als Gelegenheit, zu experimentieren und einen Raum zu schaffen, der sich wirklich wie mein eigener anfühlte. Eine der kleinen, aber bedeutungsvollen Entdeckungen war die Freude am Kochen für mich selbst, etwas, das ich selten tue, da ich normalerweise bei meinen Eltern lebe. Diese Unabhängigkeit ermöglichte es mir, wieder zu mir selbst zu finden.

Was nimmst du aus Eckernförde für deine weitere künstlerische Entwicklung mit?

Was ich aus Eckernförde für meine weitere künstlerische Entwicklung mitnehme, ist vor allem der Austausch mit Menschen. Ich hatte zum Beispiel die Gelegenheit, eine bereichernde Zeit mit Norbert Weber zu verbringen, wir haben uns unterhalten, Ideen ausgetauscht und ich habe viel von ihm gelernt. Über diese Gespräche hinaus gab mir mein Aufenthalt auch die Möglichkeit, auf eine Weise mit Fotobüchern und Zines zu experimentieren, wie ich es zuvor noch nie getan hatte. Ich probierte verschiedene Designs aus, erkundete verschiedene Bindemethoden und lernte sogar einige neue Bindetechniken. Das war für mich besonders wichtig, da ich jedes fotografische Projekt letztendlich als Fotobuch betrachte. Die Möglichkeit, diese Ansätze auszuprobieren, hat mir geholfen, mir klarer vorzustellen, wie sich meine Projekte in Zukunft entwickeln und Gestalt annehmen könnten.