Bruno Schulz und die Verbrechen im Schtetl
Nach der Übersicht über das Werk von Bruno Schulz in der darstellenden Kunst und Literatur am vergangenen Samstag durch Rainer Beuthel ordnet Norbert Weber an diesem Samstag, 9.5.2026 um 12:30 Uhr, das Werk von Bruno Schulz ein in den Kontext der damaligen Zeit.
Schtetl ist die Bezeichnung für Siedlungen mit hohem jüdischen Bevölkerungsanteil, insbesondere für jiddische Siedlungen in Osteuropa, welche bis zu deren systematischen Vernichtung in der Shoa in Osteuropa weit verbreitet waren.
Anders als in den Großstädten waren die jüdischen Bewohner in den Schtetl nicht nur geduldet, sondern ungeachtet bisweilen stattfindender Pogrome weitgehend akzeptiert. Die Schtetl waren keine Ghettos: „… sondern wesensmäßig ebenso wie definitionsgemäß das Gegenteil. Ein Schtetl war nicht das Anhängsel einer christlichen Gemeinde innerhalb der Bannmeile, nicht ein diskriminierter Fremdkörper innerhalb einer höheren Zivilisation, sondern im Gegenteil, eine scharf profilierte in ihren Grundlagen gefestigte autonome Gemeinschaft mit einer eigenartigen Kultur.
Es war ein durchweg jüdischer Kosmos, wirtschaftlich jedoch eng mit der polnisch-litauischen Adelsgesellschaft verknüpft. Die aschkenasischen Juden der Schtetlech sprachen im Alltag zumeist Jiddisch. An ihren religiösen Traditionen hielten sie meist in erheblich höherem Maße fest als ihre Glaubensbrüder in Mittel- oder Westeuropa.

Während Teile der neuen jüdischen Intelligenzija seit dem 18. und vor allem dem 19. Jahrhundert die Kultur und Lebensweise des Schtetl – bisweilen mit gewisser Verachtung – als rückständig und ein zu überwindendes Ergebnis der Diskriminierung und Ghettoisierung der Juden betrachteten und das Jiddische als eine rückständige Jargon-Sprache ansahen, lernten um 1900 einige jüdische Intellektuelle und Schriftsteller diese Kultur schätzen und entwickelten schließlich ein positives, oft verklärendes Bild der nun als „authentisch“ wahrgenommenen jüdischen bzw. jiddischen Schtetl-Kultur. Dem Leben in den Schtetl wurden vielfach literarische Denkmäler gesetzt
1939 Hitlers Überfall auf Polen: Holocaust. Die Wehrmacht besetzt erst den Westen Polens. In der Folge beginnen SS und SD mit der Vernichtung der jüdischen Bewohner. Die Einsatzgruppen waren paramilitärische Todesschwadronen, die der Wehrmacht und der SS auf ihrem Vormarsch in feindliche Gebiete in Osteuropa folgten. Sie wurden erstmals beim Überfall auf Polen im September1939 eingesetzt.

Wir betrachten das Geschehen aus der Schtetl-Perspektive des Künstlers Bruno Schulz und des SS-Besatzers Felix Landau aus Wien beim Zusammentreffen in Drohobych, einer galizischen Kleinstadt.

